Der Werkzeugkoffer für Emotionen
Emotionen helfen uns, Situationen einzuordnen. Mit Akzeptanz und einem bewussten Moment zwischen Geschehen und Reaktion lässt sich der eigene Umgang mit ihnen gestalten.
Geschrieben von Mascha R.
Jeder Mensch fühlt sie, die Emotionen. Mit ihnen können wir bestimmte Situationen abwägen, einschätzen und beschreiben. Wir empfinden Freude, lachen also zum Beispiel herzlich mit unseren Freunden, spüren Trauer, nach einem Streit oder einer vermiesten Leistung, oder wir sind außer uns vor Wut, wenn wir beleidigt werden.
Was uns Grundemotionen sagen
Diese Emotionen zählen zu den Grundemotionen der Menschen. Wie wir diese Emotionen wahrnehmen, ausdrücken und mit ihnen umgehen, entwickelt sich schon früh und wird durch unsere Erfahrungen und unser Umfeld geprägt. Neben Freude, Trauer und Wut zählen dazu noch Angst, Überraschung und Ekel. All diese Emotionen haben neben dem Lachen auf unseren Lippen oder kullernden Tränen auch noch eine weitere Funktion. Freude signalisiert uns, wir sind sicher. Die Anspannung lässt nach, da wir uns in unserer Umgebung wohl fühlen und darüber hinaus signalisiert es für viele auch ein Gruppengefühl und Zugehörigkeit.
Wut hingegen ist ein Verteidigungsmechanismus. Unser Umfeld stimmt nicht zu unserer Überzeugung und wir fühlen uns oft persönlich, mindestens in unserer Meinung und Überzeugung, angegriffen. Man könnte dies auch als Grenzüberschritt betrachten. Er sorgt für einen Umschwung unserer Stimmung, also die aufkommende Wut, worauf bei den meisten Menschen auch eine körperliche Reaktion folgt. Der Puls steigt, die Hände fangen an zu schwitzen und man bekommt ein angespanntes Gefühl. Mal fühlt man diesen in der Brust, mal im Bauch oder man spürt einen Kloß im Hals. Diesem Unbehagen möchte man natürlich entgehen, wodurch sich ein Schutzmechanismus aktiviert, welcher versucht, die Negativität, beziehungsweise die Ursache zu bekämpfen.
Wie komplexe Emotionen entstehen
Zusammengefasst gesagt: das Spektrum der Grundemotionen allein ist bereits riesig und kann von Mensch zu Mensch anders ausgeprägt sein. Persönliche Erfahrungen, die Art, wie man aufgewachsen ist, das eigene Umfeld und auch Traumata können das Gefühlswesen eines Menschen stark beeinflussen.
Basierend auf diesen Faktoren entstehen dann komplexe Emotionen. Sie resultieren aus mehreren Facetten unterschiedlicher Grundemotionen und hängen stark von Kultur, Umfeld und den eigenen Wertvorstellungen ab. Ein Beispiel dafür ist die komplexe Emotion “Schuld”. Als Abwandlung von Trauer fühlen die meisten Menschen im Zusammenhang mit Schuld die Verantwortung für eine negative Handlung, doch wie schnell man Schuld fühlt, wann diese einsetzt und wie man dieses Schuldgefühl auf seinen Selbstwert bezieht, ist bei jedem Menschen ein wenig verschieden. Demzufolge ist es umso wichtiger, sich bewusst mit seinen Emotionen auseinanderzusetzen.
Was Emotionsregulation bedeutet
Hier kommt dann die Regulation von Emotionen ins Spiel:
Was bedeutet das genau?
Unter der Regulation von Emotionen versteht man aktiv angewandte Reaktionen, die als Werkzeuge zur Verarbeitung von Emotionen genutzt werden können. Das klingt vorab etwas abstrakt, schließlich gibt es keine Knöpfe und Hebel im Kopf mit denen sich zum Beispiel Trübseligkeit wegblasen lässt, weswegen es hilfreich sein kann sich die Bedeutung dieser Gefühlsreaktionen etwas genauer anzuschauen. Hier ein Beispiel, wie man seine Emotionen im Alltag wahrnehmen und im Anschluss darauf reagieren könnte.
Montagmorgen am Bahngleis
Montagmorgen, man hat viel zu wenig geschlafen und dementsprechend einen holprigen Start in den Tag gehabt. Der erste Wecker wurde verschlafen, Zahnpasta ist auf dem frisch gewaschenen T-Shirt gelandet und der Schlüssel hat sich versteckt, sodass man zur Bahn rennen musste, damit man noch pünktlich ist. Doch trotz all dem Stress, den man sich gemacht hat, fährt diese einem vor der Nase davon. Nun steht man da, aufgewühlt, keuchend und schon ein bisschen verschwitzt am Bahngleis und würde am liebsten alles und jeden verfluchen, ganz besonders den Erfinder des Montags.
Hier kommt das Werkzeug ‘Akzeptanz’ zum Einsatz. Stell dir selbst die Frage, „Kann ich an meiner jetzigen Situation überhaupt noch etwas ändern?“. Meistens lautet die Antwort “Nein”. Also liegt es nun an mir zu entscheiden, wie ich mit der Situation umgehe. Wäre es nicht sinnvoller, die verbleibenden 20 Minuten, bis die nächste Bahn kommt, für sich selbst positiv zu nutzen? Man könnte sich hinsetzen und in seinem Buch lesen, vielleicht ein paar Gedanken und Affirmationen über die neue Woche niederschreiben oder die 5 Nachrichten beantworten, für die in den letzten Tagen irgendwie die Zeit gefehlt hat.
So schnell lässt sich mit der richtigen Haltung der Körper von seinem gestressten und schlecht gelaunten Zustand in einen beruhigten Zustand bringen. Und selbst wenn die Frustration doch etwas zu groß für die vollkommene Akzeptanz von etwas ist, kann man schnell wieder einen klaren Kopf bekommen und dem Tag eine neue Chance geben. Sich über etwas zu Ärgern ist vollkommen in Ordnung. Es sollte einem nur nicht selbst schaden, oder gar die gesamte kommende Woche vermiesen.
Den kleinen Moment wahrnehmen
Das Beispiel zeigt, wie sinnvoll es sein kann, sich Mechanismen zur Regulation zunutze zu machen und den kleinen Moment zwischen dem Geschehen und der Reaktion wahrzunehmen und aktiv in sich hineinzufühlen, ehe eine Emotion das Denken vollständig blockiert. Hier kommen auch die Blickwinkel-Karten zum Einsatz: Das kleine Set passt in jede Tasche rein und ist somit immer einsetzbar, ob unterwegs oder zuhause.
Zurück am Bahnhof ziehst du dann einfach eine Karte, liest den Begriff und fühlst in dich hinein. „Worauf möchte ich heute achten?“, „Was habe ich in den letzten Tagen vermehrt gespürt?“ Blickwinkel kann dabei helfen, genau diesen kleinen Moment zu schaffen: innezuhalten, ein Gefühl bewusster wahrzunehmen und sich zu fragen, wie man darauf reagieren möchte.